Theater
         
 

Shak'n Shakespeare

Shak'n Shakespeare

Das große Durcheinanderwerfen

"Sonette zu versenden - wie man heute Orchideen versendet - war damals eine Mode der Vornehmen. Durch ein Sonett brachte man sich in Erinnerung, konnte man einen verhüllten Rat geben, eine Parallele zu einem Beispiel klassischer Liebe ziehen, Dankbarkeit aussprechen oder vor raschen Entschlüssen warnen. Ein Sonett musste Anspielungen enthalten, die nur der Empfänger verstand. Ein Sonett musste das Leben veredeln, indem es jede Empfindung, jede Bagatelle dramatisierte. Es machte nur Eindruck, wenn es den Empfänger von der Schwere seines Leids und der Ausserordentlichkeit seiner Gefühlswelt zu überzeugen verstand. Es musste quälen und streicheln, zupacken und nachgeben - nur dann wurde es gewürdigt."
(Hans Rothe)

Regie Boris Pfeiffer


Schauspielhaus Zürich


Hier gibt es Musikstücke zu "Shak'n Shakespeare"

Alle Downloads stehen Ihnen im MP3-Format zur Verfügung.
Alle Stücke sind komponiert von Andreas Krämer
Alle Kompositionen sind gemageschützt (Gema-Nr. 370825)

Es spielt: Andreas Krämer
Gesang: Andreas Krämer und Ulrike Knospe Schauspieler & Bühnenmusiker Delmestraße 133 D - 28199 Bremen

Kontakt über: www.andreas-kraemer.ch

Shakespeare Zürcher Kultur


Zürcher Kultur

Durchgeschüttelt und dann keck inszeniert: Das passierte Shakespeares Sonetten an den Zürcher Festspielen.

 

von Benedikt Scherer

 

Ein ausserordentlicher Abend war das im Füssli-Saal des Kunsthauses. Eine ganz leichte, leichtfüssige, sympathische und witzige Angelegenheit war diese Produktion namnes „Shak’n Shakespeare“, die im Rahmen der Zürcher Festspiele gezeigt worden ist und noch weiter gezeigt werden wird. Und doch steckten die nur fünfzig Minuten auch voller Ernst. Voll von jenem Ernst, mit dem man die wirklich bedeutenden Dinge dieser Erde zu betrachten hat, jene Dinge, die immer die wichtigsten gewesen sind und auch immer die wichtigsten bleiben werden, nämlich Liebe und Schönheit und die Gefährdung und Bedrohung dieser durch die verrinnende Zeit, durch Alter und Vergänglichkeit.

Um nichts anderes, um nichts Geringeres geht es in Shakespeares Sonetten, jenen wunderbaren, wahrscheinlich kurz von 1600 entstandenen, streng gefügten 14-zeiligen Gedichten, von denen die ersten 17 mit Sicherheit, die ersten 126 mit aller Wahrscheinlichkeit nach an einen hübschen jungen Mann gerichtet gewesen sind, während erst sehr spät, in Sonett 127, aus Gründen, die man wahrscheinlich Shakespeare selben fragen müsste, eine „dunkle Dame“ auftaucht.

Andreas Krämer und Boris Pfeiffer haben aus der unverwelkten, unverwelkbaren Vorlage eine überaus pfiffige Sache gemacht, eine Mischung aus Klangperformance, Revuenummer, Beziehungsdrama und Museumsbesuch. Manchmal wird der hohe Ton ein bisschen verballhornt, ein wenig persifliert und ironisiert, manchmal lacht man über die Liebesfeier und den Dichterschmelz. Dann geschieht es aber auch wieder, dass eine schöne, anrührende, selbst ergreifende Würde auf den Gesichtern prangt. Wenn mit Schalk und Schläue und hinterhältiger Eifersucht und toller Verknalltheit das Gegenüber gespriesen, bestochen und verführt wird.

Zwischenzeitlich präsentieren die Akteure die Gedichte auch singend, wie die Superstars einer bedeutenden Revue, mit Stock und Glitzerjacke. Und zuletzt wird dann auch noch getanzt dazu; zuletzt wird Shakespeare, wie im Titel der Produktion versprochen, so richtig durchgeschüttelt und durchgeshakt. 
(Tages-Anzeiger, Donnerstag, 1. Juli 1999)

 

 

Shak'n Shakespeare 2

Feuilleton

Shakespeare lebt - in seinen Sonetten!

Züricher Festspiele / Im Füssli-Saal des Zürcher Kunsthauses werden dank Andreas Krämer und Boris Pfeiffer Shakespeares Sonette zum Erlebnis.

 

Charles Linsmayer

 

Grosses und Grösstes wird zurzeit nach Zürcih eingeflogen, um den „Zürcher Festspielen“ im Zeichen Shakespeares ein theatralisches Licht aufzusetzen. Am lebendigsten aber wird der rätselhafte Weltenzauberer vielleicht in einer Inszenierung, die ganz bescheiden als Annex zur Füssli-Ausstellung im Kunsthaus mitläuft und in der ein paar junge Leute sich Shakespeares Sonetten angenommen haben. „Shak’n Shakespeare“ heisst die Veranstaltung in Analogie zu „Rock’n’Roll“ und genauso erfrischend pietätlos wie der Titel ist auch die Sache, die sich dahinter verbirgt. Boris Pfeiffer und Andreas Krämer nutzen den Umstand, dass in Shakespeares Sonetten nebst dem sprechenden Ich des Dichters auch ein junger Freund und Konkurrent sowie eine treulose junge Frau auszumachen sind, um eine Anzahl der Gedichte mit den drei Protagonisten Ulrike Knospe, Stephan Dietiker und Ingo Heise dramatisch in Szene zu setzen. Und zwar so intensiv und pathetisch wie die Shakespeare-Gemälde Heinrich Füsslis, die den kleinen Aufführungssaal im Zürcher Kunsthaus dominieren - und doch jeden Moment auch wiederum ironisch, verspielt und respektlos persiflierend.

Mal in sehnsüchtigen Monologen, mal in dramatischen Konfrontationen, mal in Eifersuchtsszenen und in melancholischem Weltschmerz wird das ganze Spektrum des Liebeserlebens von der überdeutlichen Anzüglichkeit bis hin zur Beschwörung ewiger Treue unmittelbar nachvollziehbar gemacht: sinnlich, direkt, mimisch und gestisch wunderbar einfallsreich, präzise und klar verständlich.

 

Shak'n Shakespeare 3


Wenn Sonette Szenen Machen

Da gibt es leise poetische Stimmungsbilder mit einem Nichts an instrumentalem Aufwand, da gibt es fast schon opern- oder musicalhafte Momente, kesse Chansons und sentimentale Lieder - und obwohl die Texte durchaus in ihrem altertümlichen Gestus belassen sind, kommt einem im Verlauf der fulminanten Produktion die Erinnerung daran völlig abhanden, dass das nun die trocken-spröden, umständlich stilisierten Sonette von William Shakespeare sein sollen …

Als eine unkonventionelle, den Charakter des Spontan-Improvisierten keinen Moment verlierende, jeden Anflug von Klassikerpflege vermeidende witzig-humorvolle und doch adäquate, modern anmutende Annäherung an Shakespeare vermochte die nur knapp 50 Minuten dauernde Inszenierung am Dienstag abend das Premierenpublikum spürbar zu begeistern und zu langen, nicht endenwollendem Applaus hinzureissen.

(Der Bund, Donnerstag, 1.Juli 1999)



Shakespeare gerührt und geschüttelt

Peter Exinger

Ach, das wäre einmal was! So vierhundert Jahre alte Sonette von Shakespeare ganz neu sehen, als seien sie improvisiert. Keine verstaubte Schulbücherluft wollen wir mehr atmen, sondern was Heutiges, was Peppiges geniessen - ein „grosses Durcheinanderwerfen“ sehen. Wenn die Sonette doch nur Szenen machen würden …
Ein klein wenig Anarchie Was man dazu braucht? Dieser Tage bloss eine Eintrittskarte für die Produktion des Schauspielhauses: „Shakespeare, im Füssli-Saal des Kunsthauses“ - ein Festspielbeitrag. In die Strenge eines marmornen Ausstellungsraumes stellt man ein klein wenig Anarchie. Das heisst eigentlich ein paar Schlaginstrumente; Metallplatten, Rundsägeblätter, Ketten, die man auch streichen kann, wie eine Violine. Andreas Krämer entpuppt sich an diesem Abend als Musiker, der etwas verqueren und verspielten Sorte, der mit seiner Musik den Abend zusammenhält und nicht nur den musikalischen Hintergrund abgibt. Darauf hat man lange gewartet. Drei Personen bringen schauspielersiches Leben in die Sonette, jene Gedichtform, die, wenn sie von Shakespeare stammen, kleine, aber vollkommene Dramen sein können, in deren Verlauf in Windeseile Tragödien hervorbrechen. In dieser knisternden Mischung kommt Bewegung auf die Bühne ins Kunsthaus. Ulrike Knospe, zuerst alss ei sie den 60er Jahren entsprungen im Katalog blätternd, im Laufe des Abends betonte Dark Lady, begehrenswert, begehrt, mit ihren Reizen spielend, singt und schwebt - „Geschlossen kann mein Auge am besten sehen.“ Zwischen Eden und Sodom Wären da noch die zwei Männer: Stephan Dietiker und Ingo Heise, der eine in schwarzem Leder, der andere ganz in Blond. Die beiden versuchen nicht nur, sich gegenseitig die Dark Lady abspenstig zu machen, sondern betören auch einander. Die drei „erleben Eden und Sodom; dazwischen drängt sich die Zeit“. Volksbühnen-Ästhetik Will man soe vieles in nicht mal einer Stunde unterbringen, braucht es elegante, durchdachte Übergänge. Boris Pfeiffer hat ganze Arbeit geleistet und ein wenig Volksbühne-Ästhetik anch Zürich gebracht. Das tut hier schon gut. Die inszenierten Zellen zu Alter und vergehender Zeit sind entrückend, weil er hier mit wenigen geheimnisvollen Zeichen auskommt, die an die „Ansichten eines Clowns“ erinnenr mögen und konzentrierte, metronomsiche Arbeit voraussetzen. (Zürcher Kultur)

 

Zurück zur Übersicht


 

 
  One Night Stand  
 

One Night Stand

 
  Art muss allein in den 1. Mai tanzen. Und er tanzt wild und kifft und trinkt und weiß am nächsten Morgen nicht mehr, wie es passieren konnte...  
  Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag;
Auflage: 1
(Februar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3473583405
ISBN-13:
978-3473583409
Altersempfehlung: ab
13 Jahre
 
 

Boris Pfeiffers Bücher gibt es in jeder gut sortierten Buchhandlung und bei den Internetbuchhändlern zu kaufen.

 
Impressum