Theater
         
 

Wehr dich, Mathilda!

Wehr dich, Mathilda!

Theaterstück für Kinder von Ilona Schulz und Boris Pfeiffer nach Motiven eines Romans von Annika Holm

 

Schulz, Ilona/Pfeiffer, Boris nach dem gleichnamigen Roman von Annika Holm
Wehr dich, Mathilda!

"Wenn sich das Fernsehen mit dem Thema Mobbing beschäftigt, sind gern schmallippige Karrieristen in gläsernen Top-Etagen zu besichtigen. Die Wirklichkeit ist leider variantenreicher: Verteilungs- und Verdrängungskämpfe entscheiden auch schon über die Spitzenposition auf dem Klettergerüst ... Auf einem Grundschulhof spielt denn auch das neue Kinderstück "Wehr dich, Mathilda!". Egal, wie viel Kuchen Mathilda ihren Mitschülern anbietet, wie oft sie zur Besichtigung ihrer heimischen Springmauspopulation einlädt und wie fern ihr das Einschleimen bei der Lehrerschaft liegt: Für den Klassenkasper Rico und seine Erfüllungsgehilfin Yasemin ist Mathilda schlicht "die Petze" oder "das Baby".
"Wehr dich Mathilda!" gehört nicht zu den Kindertheaterstücken, die fahrlässig vereinfachen: Der kleine Nachwuchsmacho Rico entstammt weder einer so genannten Problemfamilie, noch muss er als unangefochtenes Mathe-As der Klasse mangelnde geistige mit physischer Potenz kompensieren. Und die Pädagogin Fried gehört ebenso wenig zur zahlenstarken Burn-Out-Fraktion ihrer Berufsgruppe wie Mathildas Vater zum Rabeneltern-Typus. Eigentlich sind hier alle Erziehungsbeauftragten mit Lust bei der Sache und aus Überzeugung fair - und merken trotzdem nichts."


Raik Knorscheidt - Regisseur und Autor

http://www.raikknorscheidt.com/23.html

 

Der Tagesspiegel

3 D 3 H
Sprechtheater – Kinder

http://www.theatertexte.de/data/kiepenheuer_buehnenvertriebs_gmbh/911096583/show



"Wehr dich, Mathilda!" wird jetzt in Aachen am Da-Theater gespielt:

http://www.youtube.com/watch?v=KKUkqu3XzZ4

"Mathildas Wut verwandelt sich in Mut Von Gerald Eimer 09.11.2009, 16:32 Aachen.

«Super» - das ist das Wort, das den jungen Premierenbesuchern im Das-Da-Theater immer wieder über die Lippen kommt. «Wehr dich, Mathilda!» hat ihren Geschmack getroffen: Fetzig, witzig, schnell - und zu alledem auch noch lehrreich. Theaterchef Tom Hirtz und seine Crew hatten ganz augenscheinlich den richtigen Riecher für Stückauswahl und Inszenierung.

Entstanden ist «Wehr dich, Mathilda!» in der Ideenschmide für flotte Kinderstücke, dem Berliner Grips-Theater, nach einem Roman der schwedischen Erfolgsautorin Annika Holm. Das Das-Da-Theater bringt das 2007 uraufgeführte Stück nun in einer auf eine Stunde heruntergekürzten Fassung auf die Bühne, was vielen Schulen den Besuch oder eine Buchung sicher leichter fallen lässt.

Schnelle Wendung
Gleichwohl führt diese Kürzung aber auch dazu, dass einige Entwicklungen und Wendungen eine Spur zu schnell vollzogen werden müssen und manches etwas holzschnittartig rüberkommt. Den jungen Besuchern, vorwiegend Grundschüler, scheint das jedoch nichts auszumachen. Die Geschichte von Mathilda, die von ihrem Mitschüler Rico gemobbt und gehänselt wird, können sie offenbar gut nachvollziehen.

Rico, gespielt von Mike Kühne, hat dabei durchaus das Zeug, auch die Zuschauer für sich einzunehmen. Große Klappe, ein bisschen Klassenclown, stark - das kommt an. Auch bei Yasemin (Ina Pappert), die schnell dabei ist, wenn Rico mal wieder über Mathilda spottet und herfällt. «Ist doch alles nur ein Spaß», sagen sie und wollen nicht wahrhaben, was sie ihrer Mitschülerin antun.

Patricia Rabs spielt die terrorisierte Mathilda, die sich von ihrer gehetzten Mama (Karen Lauenstein) und der unaufmerksamen Lehrerin (Franziska Holitschke) missverstanden und unbeschützt fühlt. Sie hat Bauchschmerzen und will nicht mehr in die Schule. Sie weiß nicht, wie sie sich Hilfe suchen soll, weil sie keine Petze sein will. Erst als Lurian (Jens Eisenbeiser) in die Klasse kommt, findet sie die Kraft, sich zu wehren. Ihre Wut verwandelt sich allmählich in Mut

Ein Happy End steht am Ende des Stücks. Ältere mögen das etwas plakativ finden. Jüngere aber werdenn es zu schätzen wissen, dass Rico und Mathilda sich versöhnen und auch Eltern oder Lehrer Einsicht zeigen. Vor allem für die Nachbereitung im Unterricht finden Lehrer somit jede Menge Anregungen, das Thema Mobbing weiter zu behandeln und mögliche Gegenstrategien mit ihren Schülern zu erarbeiten.

Langeweile lässt «Wehr dich, Mathilda!» an keiner Stelle aufkommen. Insbesondere die vier Darsteller der Schüler Rico, Yasemin, Mathilda und Lurian haben jederzeit das Potenzial, ihr Publikum mitzureißen. Viel Musik und das ebenso originelle wie wandelbare Bühnenbild (Frank Rommerskirchen) tragen das Übrige zum Gelingen bei. Empfohlenes Alter: Sechs bis zwölf Jahre.

Theater auf Reisen
Vorstellungen von «Wehr dich, Mathilda» gibt es im Das-Da-Theater, Liebigstraße, bis zum 20. Dezember immer sonntags um 16 Uhr. Reservierungen (6/9 Euro) unter 0241/161688. Schulen können Aufführungen im Das-Da-Theater zusätzlich immer dienstags bis freitags bis zum 20. November besuchen.

Vom 24. November bis zum 9. Juni 2010 geht das Das-Da-Theater mit dem Stück auf Reisen. Jeweils dienstags bis freitags sind dann auch mobile Vorstellungen in der Aula oder Turnhalle von Schulen möglich. Info und Buchung unter 0241/161855."

www.an-online.de/sixcms/detail.php?template=an_detail&id=1110943&_wo=Lokales:Aachen


Wehr dich, Mathilda ab Januar 2008 am STATT-Theater Mengeringhausen

Im Januar 2008 wird es wieder eine Kindertheater-Produktion mit dem Jugendensemble im STATT-Theater-Laden geben. Auf den Spielplan steht das neuste GRIPS-Stück (Uraufführung in Berlin Januar 2007) für Menschen ab 6 Jahren: „Wehr Dich, Mathilda!“ nach Motiven des gleichnamigen Romans von Annika Holm von Ilona Schulz und Boris Pfeiffer. Mathilda will von ihrem Vater nicht mehr zur Schule gebracht werden, denn dort wird sie gehänselt und als "Petze" verschrien. Und die Lehrerin kommt immer genau im falschen Moment, wenn es wieder mal so aussieht, als sei Mathilda an allem schuld. Als Lurian neu in die Klasse kommt, schöpft Mathilda Hoffnung, endlich einen Freund zu finden. Doch auch er wird eingeschüchtert und traut sich nicht, ihr zu helfen. Erst nachdem Mathilda übel zugerichtet worden ist, fasst Lurian mit ihr einen Plan, wie sie sich wehren können.

http://www.statt-theater.net/presse.htm


"Wehr Dich, Mathilda" nominiert für den Ikarus 2007!
Applaus für die Kinder- und Jugendtheater in Berlin

Mit dem IKARUS, der einmal jährlich vom JugendKulturService vergeben wird, soll ein Zeichen gesetzt werden für Inszenierungen, die ihrem Publikum etwas bringen, indem sie ihm etwas abverlangen. Nicht für die Verfolgung des Mainstreams steht der IKARUS, sondern für den Mut, etwas zu riskieren, sich auch an Außergewöhnliches heran zu wagen und für den Traum zu fliegen ohne Angst vor dem Absturz.

Der JugendKulturService möchte mit dem IKARUS das öffentliche Interesse auf solche Theaterereignisse lenken und dem Publikum Hilfe und Orientierung bei der Wahl des Theaterbesuchs anbieten.

Die Schirmherrschaft über den IKARUS hat der bekannte Schauspieler und "Tatort-Kommissar" Axel Prahl übernommen.

Die Entscheidung, welche Inszenierungen nominiert werden und welche den IKARUS erhält, wird von einer unabhängigen Jury getroffen. Diese wird aus dem Kreis des Theaterbeirats des JugendKulturService berufen. Unterstützt wird die Jury von „IKARUS-Korrespondenten“, die die jeweils aktuellen Inszenierungen sichten und zur Nominierung vorschlagen.

Einmal im Jahr verleiht der JugendKulturService den IKARUS-Theaterpreis an ein herausragendes Berliner Theaterstück für Kinder oder Jugendliche. Die ersten Nominierungen für 2007 sind bereits erfolgt:
Kindertheater Däumelinchen mit Däumelinchen (ab 5 Jahre)
GRIPS Theater mit Wehr dich Mathilda (ab 6 Jahre)
Theater an der Parkaue mit Amoklauf - Mein Kinderspiel (ab 15 Jahre)
Vaganten Bühne mit Klassen Feind 2.0 (ab 16 Jahre)
Atze Musiktheater für Kinder mit Vier Jahreszeiten (ab 10 Jahre)
CHEKH-OFF PLAYERS mit Norway today (ab 16 Jahre)

http://www.jugendkulturservice.de/


Gemeinsam ist man stark

Es fängt an mit harmlosen Sticheleien. Doch dann geht es weiter mit Beschimpfungen bis hin zu körperlichen Attacken. Sie machen für viele Kinder den Schulalltag schwer erträglich. und die meisten haben Angst, etwas zu sagen, weil sie dann als "Petze" gelten.

Mit dieser Situation beschäftigt sich das GRIPS Theater in seinem neuen Kinderstück "Wehr dich, Mathilda!" nach dem Roman von Annika Holm. Sie zählt zu den meistgelesenen schwedischen Autorinnen und erhielt 1989 den Astrid-Lindgren-Preis. Die ehemalige GRIPS-Schauspielerin Ilona Schulz und Autor Boris Pfeiffer haben den brisanten Stoff für die Bühne bearbeitet. Über die bevorstehende Uraufführung sprach mit ihnen Fabian Scheidler.

Wie kamt ihr darauf, aus dem Roman ein Theaterstück zu machen?

Ilona: Vor einigen Jahren war meine Tochter in einer ähnlichen Situation wie Mathilda. In der Schule waren die anderen Kinder der Klasse erst freundlich zu ihr und verbündeten sich dann hinter ihrem Rücken gegen sie. Selbst Freundinnen ließen sie auf dem Schulhof einfach stehen. Damals entdeckte ich zufällig das Buch von Annika Holm und las es meiner Tochter vor. Es hat ihr geholfen und Mut gemacht. Und dann habe ich gedacht: Das wäre auch ein wunderbarer Stoff für ein Stück! Also sprach ich Boris an, den ich noch aus unserer gemeinsamen GRIPS-Zeit kannte.

Eine Studie für die Weltgesundheitsorganisation zeigt, dass sich in Berlin ein Drittel aller Schüler gemobbt fühlen, mehr als 40% gaben an, sich selbst an Schikanen gegen Mitschüler beteiligt zu haben. Von den meisten Fällen bekommen Lehrer und Eltern gar nichts mit. Warum fällt es Kindern oft so schwer, sich Hilfe zu holen?

Boris: Kinder wollen zur Gruppe dazu gehören. Dafür nehmen sie viel in Kauf. Und sie haben manchmal das Gefühl: "Wenn ich mich wehre, werde ich erst recht ausgeschlossen."

Ilona: Bei Eltern oder Lehrern Hilfe zu suchen, ist oft mit Angst verbunden, weil es die Drohung gibt: "Wenn du etwas sagst, erwisch ich dich an der nächsten Ecke allein, und dann kannst du was erleben." Die Erwachsenen können nicht immer vor Ort sein und das Kind schützen.

Wie schafft es Mathilda schließlich, sich zu wehren?

Boris: Sie gewöhnt sich nicht daran, immer alles abzukriegen und einzustecken. Sie begehrt auf. Sie macht ihre Situation öffentlich. Das hilft dann auch den anderen Kindern um sie herum, den Mund aufzumachen und zu handeln. Entscheidend ist es auf jeden Fall, Verbündete zu finden. Andere aus der Klasse oder Erwachsene müssen sich trauen, sich zu dem, der isoliert wird, zu stellen.

Ilona: Ganz wichtig ist auch der Vater. Obwohl er zunächst nicht helfen kann, weiß Mathilda, daß er hundertprozentig hinter ihr steht. Wenn Kinder solchen Rückhalt nicht haben, fühlen sie sich verloren.

Bei allem Ernst des Themas ist das Stück zugleich sehr spielerisch und humorvoll. Gab es auch für die komischen Szenen Anregungen aus euren persönlichen Erfahrungen?

Ilona: Viele! Es gibt zum Beispiel eine Szene im Klassenraum, wo eine Schulstunde ins Chaos abgleitet, weil die Kinder jede Gelegenheit ergreifen, Unsinn zu machen, Tische kreuz und quer durch den Raum zu tragen und dergleichen. So etwas habe ich selbst erlebt, als ich einmal in der Klasse meiner Tochter hospitierte. Die Lehrerin war tatsächlich überfordert, aber das war auch sehr menschlich in dieser Situation.

Berliner Zeitung, 29.12.2006

Berliner Zeitung

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Tagesspiegel online

vom 20.01.2007
Ressort: Kultur

Petze und Hetze „Wehr dich, Mathilda!“ im Grips-Theater Wenn sich das Fernsehen mit dem Thema Mobbing beschäftigt, sind gern schmallippige Karrieristen in gläsernen Top-Etagen zu besichtigen. Die Wirklichkeit ist leider variantenreicher: Verteilungs- und Verdrängungskämpfe entscheiden auch schon über die Spitzenposition auf dem Klettergerüst. Knapp ein Drittel aller Berliner Schüler gab in einer Studie der Weltgesundheitsorganisation an, schon einmal gemobbt worden zu sein. Mehr als vierzig Prozent bekannten, bereits selbst aktiv gemobbt zu haben; und jüngsten Statistiken zufolge steigt das Gewaltpotenzial an Grundschulen.

Auf einem Grundschulhof spielt denn auch das neue Kinderstück „Wehr dich, Mathilda!“, das Ilona Schulz und Boris Pfeiffer nach dem Roman der schwedischen Autorin Annika Holm für’s Grips-Theater geschrieben haben. Egal, wie viel Kuchen Mathilda (Kathrin Osterode) ihren Mitschülern anbietet, wie oft sie sie zur Besichtigung ihrer heimischen Springmaus-Population einlädt und wie fern ihr das Einschleimen bei der Lehrerschaft liegt: Für den Klassenkasper Rico (Daniel Jeroma) und seine Erfüllungsgehilfin Yasemin (Katja Hiller) ist Mathilda schlicht „die Petze“ oder „das Baby“.

„Wehr dich, Mathilda!“ gehört nicht zu den Kindertheaterstücken, die fahrlässig vereinfachen: Der kleine Nachwuchs- Macho Rico entstammt weder einer sogenannten Problemfamilie, noch muss er als unangefochtenes Mathe-As der Klasse mangelnde geistige mit physischer Potenz kompensieren. Und die Pädagogin Fried (Ester Daniel) gehört ebenso wenig zur zahlenstarken Burn-Out-Fraktion ihrer Berufsgruppe wie Mathildas Vater zum Rabeneltern-Typus. Eigentlich sind hier alle Erziehungsbeauftragten mit Lust bei der Sache und aus Überzeugung fair – und merken trotzdem nichts. Denn die ungeschriebene Schulhofregel, dass eine Petze ihre Denunziantenmentalität doppelt und dreifach heimgezahlt bekommt, gilt auch anno 2007 unverändert.

Der bewährte Grips-Regisseur Rüdiger Wandel hat „Wehr dich, Mathilda!“ mit dem theatereigenen kurzweiligen Aktionismus inszeniert: Es wird viel an Klettergerüsten oder zweckentfremdeten Regenrinnen geturnt (Bühne: Kristina Hoffmann), gesungen und zu Michael Brandts Live-Gitarren-Einlagen gerockt. Der Konflikt löst sich am Ende in der Grips-typischen Ermutigungsrhetorik. Der wankelmütige Klassenneuling Lurian (Jens Mondalski) kann sich doch noch dazu durchringen, auch öffentlich zu Mathilda zu stehen und mit ihrer Hilfe dem kleinen Macho eine derart läuternde Abreibung zu verpassen, dass man am Schluss vor lauter Freundschaftsbekundungen fast eine Massenumarmung befürchten muss. Da dürfte sich die Berliner Schulhofwirklichkeit ein bisschen bockiger anstellen. Andererseits: Gläserne Topetagen-Vertreter üben – Stichwort Unternehmenstheater – innerbetriebliche Konfliktbewältigung angeblich auch in Rollenspielen.
Christine Wahl

mediaculture

Wochenübersicht: kinderhort Winkelmaiers suchen nach den schönsten Spielsachen

Die Kinder werden immer schneller erwachsen. Die Pubertät setzt früher ein, im Gebrauch von technischen Gerätschaften sind sie versierter als die eigenen Eltern, und die Praktika beginnen, kaum dass die letzte Windel genässt wurde. Kein Wunder, dass ein beliebter Trend aus der Arbeitswelt der Erwachsenen nun auch Einzug hält im Schulalltag: das Mobbing. Diagnostiziert jedenfalls das Grips-Theater, wie üblich mit dem Ohr da, wo's weh tut, auf dem Gleis der Geschichte, am Nabel der Welt oder Puls der Zeit. In "Wehr Dich, Mathilda!", einem mal wieder selbst geschriebenen und inszenierten Stück des Kinder- und Jugendtheaters wehrt sich, ähem, Mathilda gegen Mobbing in ihrer Schulklasse. Zuerst passiv, soll heißen: Sie bleibt einfach zu Hause. Dann aktiv. Wie, soll aber nicht verraten werden. Das Stück ist von den Machern übrigens schon für Kinder ab sechs Jahre empfohlen. Offensichtlich wird befürchtet, dass schon Erstklässler mit der Problematik konfrontiert werden.

http://www.taz.de/pt/2007/01/20/a0309.1/textdruck


Berliner Morgenpost

Mobbing in der Schule Theater: "Wehr dich, Mathilda!" - Premiere im Grips

-Eine Studie für die Weltgesundheitsorganisation besagt, dass sich in Berlin ein Drittel aller Schüler gemobbt fühlen. Oft bekommen Lehrer und Eltern gar nichts mit, während der Schulalltag für die Betroffenen unerträglich wird. Es beginnt mit kleinen Sticheleien, die schnell zu Beleidigungen oder gar körperlicher Gewalt ausarten. Hier setzt das neue Theaterstück für Menschen ab sechs von Ilona Schulz und Boris Pfeiffer an: "Wehr dich, Mathilda!".

Als die Kleine von ihrem Vater zur Schule gebracht wird, erntet sie dafür den Spott von Yasemin und Rico. Aus den Hänseleien wird rasch ein handfester Streit. Doch als die Lehrerin herbei eilt, missversteht sie die Situation und sieht in Mathilda die Schuldige. Verängstigt schützt die am nächsten Morgen Bauchschmerzen vor und will gar nicht mehr zur Schule.

Regisseur Rüdiger Wandel hat das ernste Thema heiter umgesetzt. Die Inszenierung nach Motiven des gleichnamigen Romans von Annika Holm gewährt einen einfühlsamen Einblick in die Sorgen eines kindlichen Mobbingopfers, will aber auch Mut machen und gibt Tipps zur Konfliktlösung. Mathilda (Kathrin Osterode) gewöhnt sich nämlich nicht daran, immer alles abzukriegen und einzustecken. Mit dem neuen Mitschüler Lurian (Jens Mondalski) bekommt sie obendrein einen Freund. Gemeinsam begehren sie auf.

Zusätzlichen Schwung bekommt das dramatische wie dennoch komische Stück durch die Lieder von Volker Ludwig sowie die mitreißende Musik von Michael Brandt und Birger Heymann.

Aus der Berliner Morgenpost vom 18. Januar 2007
http://www.morgenpost.de/content/2007/01/18/familie_co/877466.html


Berliner Morgenpost

Klein und gemein

Mathilda (Kathrin Osterode) hat genug. Sie will nicht mehr in die Schule gehen. Dabei ging sie einst ganz gerne hin. Bis Rico (Daniel Jeroma) und Yasemin (Katja Hiller) sie hänselten. Das war anfangs als Spaß gemeint, später wurde es ernst, dann mobben sie Mathilda: Sie schließen sie aus, sie wird zur "Petze", und sie scheint immer an allem Schuld zu sein.

Mobbing an Schulen ist kein Randproblem mehr. Von knapp 200 auf 500 stieg die Zahl der bekannt gewordenen Fälle in Berlin 2006. Das Grips-Theater hat nun das Stück "Wehr dich, Mathilda" nach Motiven des gleichnamigen Romans von Annika Holm auf die Bühne gebracht. Regisseur Rüdiger Wandel stellt den Schulhof in den Mittelpunkt. Er ist realer Handlungsort und Spielort zugleich: Im wirklichen Leben findet Mobbing meist auf dem Pausenhof statt. Klettergerüst und Schuleingang symbolisieren diesen Ort der Ausgrenzung. Hier spielt sich Rico zunächst als Macho und später immer mehr als kleiner Tyrann auf. Doch Rico ist ein Außenseiter: Er ist vernachlässigt zu Hause, trägt immer die gleichen Klamotten, hat kaum Freunde - sein Opfer Mathilda nicht. Sie ist wohlbehütet, sehr gut in der Schule und bei den andern sehr beliebt. Sie hat alles, was er in seinem Leben selbst vermisst.

Die Situation spitzt sich zu, bis Mathilda nicht mehr zu Schule gehen will - sie flüchtet sich in Krankheiten, ihr Vater ermuntert sie aber, nicht nachzugeben. Das Blatt wendet sich erst, als Lurian (Jens Mondalski) in die Schule kommt. Als auch er ins Fadenkreuz der Quälgeister gerät, verbünden sich die beiden Opfer und wehren sich.

Das Grips-Theater hat das ernste Stück über ein großes Problem unterhaltsam mit Liedern von Volker Ludwig, ja stellenweise heiter inszeniert. Bei der Premiere gab es immer wieder Lacher, vor allem bei Streichen im Klassenzimmer. Manchmal blieb den kleinen Zuschauern aber das Lacher im Halse stecken. Man wünscht sich, dass das Stück genau da anfing zu wirken.

Aus der Berliner Morgenpost vom 20. Januar 2007
ttp://www.morgenpost.de/content/2007/01/20/tagestipps/877869.html


Berliner Zeitung

Wenn aus Wut Mut wird

"Wehr dich, Mathilda!" - in dem neuen Stück des Grips-Theaters geht es um Mobbing bei Kindern

Cornelia Geissler

Mobbing ist in der Arbeitswelt als Problem bekannt und sogar Gegenstand von Gerichtsprozessen. Aber auch Kinder mobben und werden gemobbt. Wo finden die einen Anwalt? Sie zetteln aus Kleinigkeiten großen Streit an, suchen sich ein Opfer, das immer wieder dran ist, und spüren genau, mit wem sie so umgehen können. Für Lehrer und Erzieher bleibt Mobbing oft unsichtbar. Berichte von Kindern zeigen, dass Lehrer in einem Moment dazu stoßen, da das Kind, das Zielscheibe anderer ist, mittendrin steht - als Störenfried, Streithammel, Petze.

"Warum sind Kinder manchmal so gemein?", heißt es in einem Song des neuen Grips-Stücks. Das Theater spürt mit "Wehr dich Mathilda", das am Donnerstag seine Uraufführung erlebte, der Entstehung von Mobbing nach: Erst wird Mathilda als "Baby" gehänselt, weil sie noch vom Vater zur Schule gebracht wird. Doch nützt es ihr wenig, dass sie den Vater wegschickt. Ihre Mitschüler Rico und Yasemin haben sich bereits auf sie eingeschossen, machen sie zum Gegenstand ihrer Witze und schwärzen sie bei der Lehrerin an. Yasemin, die mit Mathilda spricht, wenn sie mit ihr allein ist, hält in Gegenwart von Rico immer zum vermeintlich Stärkeren, zu dem Jungen mit der großen Klappe.

Die langjährige Grips-Schauspielerin Ilona Schulz und der Autor Boris Pfeiffer haben nach dem Kinderbuch "Wehr dich, Mathilda" der Schwedin Annika Holm das Stück geschrieben und dabei gut zugehört, wie Kinder heute so sprechen. Das Theater verweist auf eine Studie der Weltgesundheitsorganisation, derzufolge sich ein Drittel aller Schüler in Berlin gemobbt fühlen. Mehr als 40 Prozent hätten angegeben, sich selbst an Schikanen gegen Mitschüler beteiligt zu haben.

Kurze Szenen führen schnell auf den Höhepunkt der Schikane gegen Mathilda zu. Kathrin Osterode gibt dabei sehr überzeugend das zunächst arglose, dann immer wieder um Ausgleich bemühte Mädchen Mathilda. Katja Hiller flattert als Yasemin zwischen ihr und dem tonangebenden Rico hin und her. Und Daniel Jeroma als Rico, ein typisch schwieriges Kind mit Klassenclown-Qualitäten, schafft es, immer die Hauptrolle zu spielen. Hiller und Jeroma zeigen sehr schön, dass es unter Kindern nonverbale Absprachen geben kann. Ihre Figuren sind sich einig in der Ablehnung Mathildas, da kann das Mädchen noch so sehr um Yasemin werben.

Das Stück würde nicht für Kinder ab 6 empfohlen, wenn es nicht ein positives Ende gäbe. Mathilda wehrt sich tatsächlich. Vielleicht ein bisschen zu schnell - aber für die jubelnden Kinder im Publikum durchaus nachvollziehbar. Mathilda schafft die Wende des Geschehens aus eigener Kraft; mit der Liebe des Vaters im Rücken und dem schlechten Gewissen der Lehrerin (nicht richtig hingeguckt zu haben) als Pfand. Das mündet in einem gemeinsamen Lied, "Wehr dich, Mathilda!" in schönster Grips-Tradition, getextet vom Theaterchef Volker Ludwig persönlich. Überhaupt erinnern die drei Lieder im Stück an Songs wie "Doof geboren ist keiner, doof wird man gemacht".

Bei aller Notwendigkeit, im Miteinander auf Zwischentöne zu achten, ist es im Kindertheater auch mal ganz richtig, die Dinge beim Namen zu nennen und so engagiert zu sein, wie es Grips immer war. Wenn sich mehrere Kinder zusammen tun, um ein anderes gezielt zu ärgern, dann stimmt es hoffnungsfroh, wenn wenigstens im Theater die Wut des Unterdrückten in Kraft umgemünzt werden kann.

Berliner Zeitung, 20.01.2007
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/feuilleton/621940.html

Frankfurter Neue Presse

Viel Applaus für neues Grips-Theater-Stück zu Kinder-Mobbing

Berlin (dpa) Mobbing ist schon für die Kleinsten ein packendes Thema: Mit begeistertem Applaus ist am Donnerstag die Premiere des Berliner Grips-Theaters bedacht worden - "Wehr Dich, Mathilda!" ist ein Stück über Mobbing in der Grundschule. Aus der gleichnamigen Romanvorlage der schwedischen Erfolgsautorin Annika Holm haben Ex- Grips-Schauspielerin Ilona Schulz und Autor Boris Pfeiffer ein temporeiches, musikalisches Kammerspiel gemacht, in dem vor allem Mathilda (Kathrin Osterode) und ihr neuer Klassenkamerad Lurian (Jens Mondalski) schauspielerisch glänzten. Regisseur ist Rüdiger Wandel.

Rüdiger Wandel
Rüdiger Wandel

Die Geschichte von dem Mädchen, das unter den ständigen Hänseleien und Attacken des Angebers Rico (Daniel Jeroma) zu leiden hat, könnte sich so in jeder beliebigen Grundschule abspielen. Die einen mobben, andere sind das Opfer und die dritten - in dem Fall die sonst um Worte nicht verlegene Yasemin (Katja Hiller) und der sympathisch schüchterne Neuzugang Lurian - stehen dabei und tolerieren die Übergriffe mehr oder weniger.

Klar, dass im Grips-Theater die Kinder die Sache am Ende wieder selbst in die Hand nehmen müssen, indem sie Partei füreinander ergreifen: "Wehr Dich, Mathilda!", lautet dann das mitreißende Motto des Kinder-Abschluss-Songs, bei dem die Erwachsenen im Hintergrund bleiben. Dort aber dürfen sie - wie im wirklichen Leben - vorsichtig helfen, die Fäden des zerschlagenen Konflikt-Knotens zu etwas Neuem zusammenzuflechten.

Frankfurter Neue Presse 18.01.2007
http://www.rhein-main.net/sixcms/list.php?page=fnp2_news_article&id=3456518

Tagesspiegel


Petze und Hetze „Wehr dich, Mathilda!“ im Grips-Theater


Wenn sich das Fernsehen mit dem Thema Mobbing beschäftigt, sind gern schmallippige Karrieristen in gläsernen Top-Etagen zu besichtigen. Die Wirklichkeit ist leider variantenreicher: Verteilungs- und Verdrängungskämpfe entscheiden auch schon über die Spitzenposition auf dem Klettergerüst. Knapp ein Drittel aller Berliner Schüler gab in einer Studie der Weltgesundheitsorganisation an, schon einmal gemobbt worden zu sein. Mehr als vierzig Prozent bekannten, bereits selbst aktiv gemobbt zu haben; und jüngsten Statistiken zufolge steigt das Gewaltpotenzial an Grundschulen.

Auf einem Grundschulhof spielt denn auch das neue Kinderstück „Wehr dich, Mathilda!“, das Ilona Schulz und Boris Pfeiffer nach dem Roman der schwedischen Autorin Annika Holm für’s Grips-Theater geschrieben haben. Egal, wie viel Kuchen Mathilda (Kathrin Osterode) ihren Mitschülern anbietet, wie oft sie sie zur Besichtigung ihrer heimischen Springmaus-Population einlädt und wie fern ihr das Einschleimen bei der Lehrerschaft liegt: Für den Klassenkasper Rico (Daniel Jeroma) und seine Erfüllungsgehilfin Yasemin (Katja Hiller) ist Mathilda schlicht „die Petze“ oder „das Baby“.

„Wehr dich, Mathilda!“ gehört nicht zu den Kindertheaterstücken, die fahrlässig vereinfachen: Der kleine Nachwuchs- Macho Rico entstammt weder einer sogenannten Problemfamilie, noch muss er als unangefochtenes Mathe-As der Klasse mangelnde geistige mit physischer Potenz kompensieren. Und die Pädagogin Fried (Ester Daniel) gehört ebenso wenig zur zahlenstarken Burn-Out-Fraktion ihrer Berufsgruppe wie Mathildas Vater zum Rabeneltern-Typus. Eigentlich sind hier alle Erziehungsbeauftragten mit Lust bei der Sache und aus Überzeugung fair – und merken trotzdem nichts. Denn die ungeschriebene Schulhofregel, dass eine Petze ihre Denunziantenmentalität doppelt und dreifach heimgezahlt bekommt, gilt auch anno 2007 unverändert.

Der bewährte Grips-Regisseur Rüdiger Wandel hat „Wehr dich, Mathilda!“ mit dem theatereigenen kurzweiligen Aktionismus inszeniert: Es wird viel an Klettergerüsten oder zweckentfremdeten Regenrinnen geturnt (Bühne: Kristina Hoffmann), gesungen und zu Michael Brandts Live-Gitarren-Einlagen gerockt. Der Konflikt löst sich am Ende in der Grips-typischen Ermutigungsrhetorik. Der wankelmütige Klassenneuling Lurian (Jens Mondalski) kann sich doch noch dazu durchringen, auch öffentlich zu Mathilda zu stehen und mit ihrer Hilfe dem kleinen Macho eine derart läuternde Abreibung zu verpassen, dass man am Schluss vor lauter Freundschaftsbekundungen fast eine Massenumarmung befürchten muss. Da dürfte sich die Berliner Schulhofwirklichkeit ein bisschen bockiger anstellen. Andererseits: Gläserne Topetagen-Vertreter üben – Stichwort Unternehmenstheater – innerbetriebliche Konfliktbewältigung angeblich auch in Rollenspielen. Christine Wahl

Der Tagesspiegel (20.01.2007)
http://www.tagesspiegel.de/kultur/archiv/20.01.2007/3031769.asp



Deutschlandfunk: "Wehr dich, Mathilda"

Direkter Link zur Audiodatei


Weitere Links:

http://www.szon.de/news/kultur/theaterwelt/200701190771.html?_from=rss
http://www.mediaculture-online.de/Details.305+M55072cf1091.0.html

Deutschlandfunk, Corso Direkter Link zur Audiodatei

Fotos: Jörg Westphal

Das Stück ist zu beziehen bei: www.kiepenheuer-medien.de

 

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